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KMU & barrierefreie Websites: Gesetze & Nutzen 2026

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Sie kennen das vielleicht: Jemand sucht am Abend schnell nach Ihrer Leistung, öffnet Ihre Website am Handy, will ein Formular ausfüllen oder einen Termin buchen, und steigt nach wenigen Sekunden wieder aus. Nicht weil das Angebot schlecht wäre. Sondern weil der Text schwer lesbar ist, der Button nicht per Tastatur erreichbar ist oder Fehlermeldungen unklar bleiben.

Für viele KMU in Wien und Umgebung ist genau das der blinde Fleck. Die Website funktioniert technisch irgendwie, aber sie ist nicht für alle nutzbar. Damit geht es nicht nur um Menschen mit dauerhaften Einschränkungen. Es geht auch um ältere Kund:innen, Menschen mit wenig Online-Routine, Nutzer:innen mit temporären Problemen wie einer verletzten Hand, oder schlicht um Leute, die bei Sonne am Smartphone kaum etwas erkennen.

Barrierefreiheit ist deshalb kein Spezialthema für Behörden oder Großkonzerne. Sie betrifft den Alltag kleiner Betriebe direkt. Wer online Hürden abbaut, macht den Zugang leichter, senkt Reibung und wirkt professioneller.

Inhaltsverzeichnis

Mehr Kunden weniger Barrieren warum digitale Zugänglichkeit jetzt zählt

Ein typisches Beispiel aus dem Alltag eines kleinen Betriebs: Eine Interessentin will auf Ihrer Website eine Anfrage senden. Sie vergrößert die Ansicht, weil sie schlecht sieht. Plötzlich überlappt das Menü den Inhalt. Das Kontaktformular meldet einen Fehler, aber ohne verständlichen Hinweis. Der Senden-Button ist optisch da, praktisch aber schwer zu treffen. Die Anfrage kommt nie an.

Das ist keine Ausnahme. Laut dem Beitrag zum WebAIM-Million-Report 2024 wurden auf einer untersuchten Million Startseiten mehr als 50 Millionen einzelne Barrierefreiheitsfehler gefunden, im Schnitt 51 Fehler pro Seite. 79,1 % der Seiten hatten zu geringen Textkontrast und 55,5 % Bilder ohne Alternativtext.

Für einen Betrieb bedeutet das sehr konkret: Die Website ist offen, aber nicht wirklich zugänglich. Das ist wie ein Geschäftslokal mit Eingang, bei dem viele Menschen an der Tür scheitern.

Wer seine Webpräsenz professionell plant, sollte Barrierefreiheit deshalb nicht als Zusatz sehen, den man irgendwann später ergänzt. Sie gehört in Navigation, Formulare, Texte, Bilder, PDFs und Buchungsstrecken von Anfang an hinein.

Barrieren kosten nicht nur Nerven. Sie kosten Anfragen, Vertrauen und oft genau jene Kund:innen, die schon kaufbereit wären.

Gerade bei kleineren Websites fällt auf: Die größten Probleme sind selten hochkomplex. Häufig geht es um Kontrast, unklare Linktexte, fehlende Beschriftungen, schlecht strukturierte Überschriften oder Formulare, die nur mit der Maus sauber funktionieren. Das Gute daran ist, dass viele dieser Hürden lösbar sind, wenn man sie systematisch angeht.

Nicht nur für wenige was barrierefrei im Web wirklich bedeutet

Barrierefreie Websites werden oft auf Alt-Texte und Screenreader reduziert. Das greift zu kurz. Im Kern geht es darum, dass Menschen Inhalte wahrnehmen, bedienen, verstehen und zuverlässig nutzen können. Genau diese Sicht wird heute stärker auch als Nutzungs-, Conversion- und Support-Thema diskutiert, wie der Beitrag über Irrtümer rund um barrierefreie Websites beschreibt.

Die digitale Rampe als einfaches Bild

Eine gute Analogie ist die Rampe vor einem Gebäude. Sie hilft natürlich Rollstuhlnutzer:innen. Aber auch Eltern mit Kinderwagen, Lieferdiensten, Menschen mit Gepäck oder jemandem mit verstauchtem Knöchel.

Digital ist es ähnlich. Eine klare Navigation hilft blinden Nutzer:innen mit Screenreader. Gleichzeitig hilft sie auch älteren Menschen, die im Web unsicher sind. Gut lesbare Kontraste unterstützen Menschen mit Sehschwäche. Gleichzeitig helfen sie jedem, der am Smartphone in hellem Licht unterwegs ist.

Infografik zum Thema Barrierefreiheit im Web mit vier zentralen Punkten zur Bedeutung digitaler Inklusion für alle Nutzer.

Vier Arten von Barrieren im Alltag

Im Projektalltag begegnen mir meist diese vier Gruppen von Hürden:

  • Visuelle Barrieren
    Zu kleine Schrift, schwacher Kontrast, Informationen nur in Bildern, fehlende Alternativtexte oder Formulare ohne klare Beschriftung.

  • Auditive Barrieren
    Videos ohne Untertitel, Audioinhalte ohne Textalternative oder Hinweise, die nur akustisch vermittelt werden.

  • Motorische Barrieren
    Kleine Klickflächen, Menüs, die nur mit präziser Mausbewegung funktionieren, oder Buchungsstrecken, die per Tastatur hängen bleiben.

  • Kognitive Barrieren
    Lange Schachtelsätze, verwirrende Navigation, wechselnde Bezeichnungen für denselben Inhalt oder Fehlermeldungen, die niemand versteht.

Gerade der letzte Punkt wird im KMU-Alltag oft unterschätzt. Viele Besucher:innen brauchen keine perfekte Technikdiskussion, sondern eine Website, die ruhig, klar und vorhersehbar funktioniert.

Situation Schlechte Lösung Bessere Lösung
Kontaktformular „Fehler im Feld“ Klare Meldung direkt beim Feld, z. B. fehlende E-Mail-Adresse
Navigation Mehrdeutige Menüpunkte wie „Mehr“ Eindeutige Bezeichnungen wie „Leistungen“, „Preise“, „Kontakt“
Bilder Reine Dekobilder mit Text im Bild Text als echter HTML-Inhalt, Bild mit passendem Alt-Text nur wenn nötig

Praxisregel: Wenn ein älterer Mensch Ihre Website ohne Hilfe versteht, haben Sie meist schon viele Accessibility-Probleme ganz nebenbei mitgelöst.

Barrierefreiheit ist damit nicht das Gegenteil von gutem Design. Sie ist gutes Design, sauber umgesetzt. Eine Seite darf modern aussehen. Sie muss nur gleichzeitig benutzbar bleiben.

Das Gesetz zur Barrierefreiheit was KMU in Österreich wissen müssen

Eine Tischlerei in Wien bekommt laufend Anfragen über das Kontaktformular. Ein Reiseanbieter verkauft direkt über die Website. Beide sind KMU. Rechtlich ist ihre Ausgangslage aber nicht dieselbe. Genau diese Unterscheidung wird rund um Barrierefreiheit oft übersehen.

Viele Geschäftsinhaber wollen zuerst wissen: Betrifft mich das überhaupt, und was gilt ab 2025 in Österreich konkret?

Was in Österreich schon länger gilt

Für öffentliche Stellen ist digitale Barrierefreiheit in Österreich seit Jahren verbindlich. Dazu zählen Websites und mobile Anwendungen von Behörden und anderen öffentlichen Einrichtungen. Die rechtliche Grundlage und die österreichische Umsetzung sind auf oesterreich.gv.at zur digitalen Barrierefreiheit nachvollziehbar.

Für private Unternehmen war das lange leichter wegzuschieben. Viele KMU haben das Thema daher als reine Behördenfrage eingeordnet. Diese Sicht ist für 2025 zu kurz.

Was ab 2025 für Teile der Privatwirtschaft wichtig wird

Ab dem 28. Juni 2025 greift der European Accessibility Act für bestimmte Produkte und Dienstleistungen im privaten Markt. Für österreichische KMU ist dabei weniger die Schlagzeile wichtig als die Einordnung: Es geht nicht automatisch um jede Firmenwebsite, sondern vor allem um klar erfasste digitale Angebote und Services.

Betroffen sind je nach Angebot zum Beispiel Bereiche wie E-Commerce, Bankdienstleistungen, Buchungsprozesse oder andere digitale Services, bei denen Kund:innen direkt etwas abschließen, bestellen oder verwalten. Wer nur eine einfache Website mit Leistungsbeschreibung, Öffnungszeiten und Kontaktmöglichkeit betreibt, hat meist eine andere Risikolage als ein Unternehmen mit Kundenkonto, Online-Buchung oder digitaler Vertragsstrecke.

Dazu kommt eine Ausnahme, die für viele Kleinbetriebe in Österreich relevant ist. Kleinstunternehmen sind unter bestimmten Voraussetzungen ausgenommen. Die WKO fasst die neuen Regeln und die Abgrenzung für Betriebe in Österreich auf ihrer Seite zum Barrierefreiheitsgesetz für Unternehmen praxisnah zusammen.

Was KMU jetzt praktisch daraus ableiten sollten

Der erste Schritt ist keine technische Diskussion, sondern eine ehrliche Bestandsaufnahme.

  • Angebot prüfen
    Verkaufen oder verwalten Sie über die Website etwas direkt? Dann ist das rechtlich und praktisch heikler als eine reine Informationsseite.

  • Unternehmensgröße prüfen
    Für Kleinstunternehmen kann die Ausnahme greifen. Das sollte sauber geprüft und nicht nur vermutet werden.

  • Risiko nach Funktionen bewerten
    Buchung, Checkout, Login, Kundenkonto und digitale Vertragsstrecken sind die Stellen, an denen Probleme teuer werden. Rechtlich und im Alltag.

  • Barrierefreiheit nicht nur als Pflicht sehen
    Eine zugängliche Seite hilft auch dann, wenn keine unmittelbare gesetzliche Verpflichtung greift. Gerade ältere Zielgruppen, mobile Nutzer:innen und Menschen unter Zeitdruck kommen damit schneller ans Ziel.

Aus Projekten für kleinere Betriebe in Wien zeigt sich ein wiederkehrendes Muster. Die größte Hürde ist selten das Gesetz selbst. Die größere Hürde ist Unklarheit. Viele wissen nicht, ob sie handeln müssen, und schieben das Thema deshalb ganz nach hinten.

Die pragmatische Lösung ist einfacher: Rechtslage grob einordnen, Website-Funktionen prüfen, die kritischen Punkte priorisieren und Barrierefreiheit bei der nächsten Überarbeitung mitnehmen. Wer ohnehin einen Relaunch oder ein Webdesign für Unternehmen plant, spart dabei meist Geld gegenüber späteren Einzelreparaturen.

Barrierefreiheit ist für KMU in Österreich 2025 also kein Thema für Panik. Es ist ein Thema für saubere Entscheidungen. Wer früh klärt, ob die eigene Website nur informiert oder bereits ein digitaler Service ist, spart sich Fehlannahmen, unnötige Kosten und vermeidbare Reibung für Kund:innen.

Von Alt-Text bis Tastatur-Fokus WCAG-Prinzipien praktisch umgesetzt

Die WCAG wirken auf den ersten Blick technisch. Im Alltag lassen sie sich aber auf vier einfache Fragen herunterbrechen: Kann man die Inhalte wahrnehmen? Kann man die Seite bedienen? Versteht man sie? Und funktioniert sie zuverlässig in unterschiedlichen Nutzungssituationen?

Eine Infografik mit den vier WCAG-Prinzipien für barrierefreie Webseiten: Wahrnehmbarkeit, Bedienbarkeit, Verständlichkeit und Robustheit mit kurzen Erklärungen.

Wenn eine Website neu geplant oder überarbeitet wird, gehört das in Konzeption, Inhalt und Webdesign für Unternehmen von Anfang an hinein. Spätere Korrekturen sind möglich, aber oft mühsamer.

Wahrnehmbar

Inhalte müssen so bereitgestellt sein, dass Menschen sie überhaupt erfassen können.

Ein paar klassische Beispiele:

  • Bilder mit Funktion beschreiben
    Ein Produktfoto oder ein Icon mit Bedeutung braucht einen sinnvollen Alt-Text. Ein rein dekoratives Hintergrundbild nicht.

  • Kontrast ernst nehmen
    Hellgrauer Text auf weißem Hintergrund wirkt elegant, ist aber oft schlecht lesbar. Besonders auf mobilen Geräten.

  • Struktur statt Textbild
    Öffnungszeiten, Preisinfos oder Leistungsbeschreibungen sollten als echter Text auf der Seite stehen, nicht nur in einer Grafik.

Bedienbar

Eine Website darf nicht an einer einzigen Eingabemethode hängen. Wer nur mit der Maus sauber ans Ziel kommt, hat ein Problem.

Praktisch heißt das:

  1. Mit der Tab-Taste durch die Seite gehen
    Erreichen Sie Menü, Buttons, Formulare und Absenden in logischer Reihenfolge?

  2. Sichtbarer Fokus
    Wer per Tastatur navigiert, muss sehen, wo er oder sie gerade ist. Wenn der Fokus unsichtbar ist, wird Orientierung zur Glückssache.

  3. Genug Platz zum Klicken oder Tippen
    Kleine Icons ohne Abstand sind im Alltag mühsam. Besonders auf dem Smartphone.

Eine Seite ist nicht bedienbar, nur weil sie auf Ihrem Laptop mit Ihrer Maus funktioniert.

Verständlich

Hier scheitern viele Websites, obwohl technisch schon viel passt. Texte sind zu abstrakt, Formulare sprechen in Rätseln, Prozesse ändern ohne Vorwarnung ihr Verhalten.

Achten Sie auf diese Punkte:

  • Klare Sprache
    Schreiben Sie „Termin anfragen“ statt „Initiieren Sie Ihre Kontaktaufnahme“.

  • Vorhersehbare Navigation
    Ein Button sollte das tun, was draufsteht. Ein Link „Kontakt“ darf nicht plötzlich einen PDF-Download starten.

  • Hilfreiche Fehlermeldungen
    Nicht „Eingabe ungültig“, sondern „Bitte geben Sie Ihre Telefonnummer im gewünschten Format ein“, sofern ein Format nötig ist.

Robust

Die Inhalte sind technisch so umgesetzt, dass Browser, Screenreader und andere Hilfsmittel sie zuverlässig interpretieren können.

Das klingt abstrakt, zeigt sich aber an sehr konkreten Dingen:

Bereich Schwache Umsetzung Solide Umsetzung
Überschriften Fett formatierter Fließtext Echte HTML-Überschriften
Formulare Platzhalter statt Labels Sichtbare Feldbeschriftungen
Buttons Klickbare div-Elemente Saubere Buttons und Links mit eindeutiger Funktion

Viele KMU brauchen dafür keine vollständige WCAG-Ausbildung. Sie brauchen eine realistische Checkliste und ein Team, das nicht nur hübsch gestaltet, sondern semantisch sauber baut.

In 4 Schritten zur barrierefreien Website eine Anleitung für KMU

Barrierefreiheit wird oft unnötig groß gemacht. Für kleine und mittlere Betriebe funktioniert ein pragmischer Ablauf besser: erst prüfen, dann priorisieren, danach umsetzen und zuletzt laufend pflegen.

Eine Infografik mit vier Schritten für KMU zur Erstellung einer barrierefreien Website, inklusive Analyse, Planung, Umsetzung und Prüfung.

Schritt 1 prüfen

Starten Sie nicht mit einer Komplettsanierung. Starten Sie mit einem ehrlichen Blick auf den Ist-Zustand.

Sinnvolle erste Tests sind:

  • Tab-Taste-Test
    Kommen Sie ohne Maus durch Menü, Kontaktformular, Buttons und Buchungsstrecke?

  • Zoom-Test
    Vergrößern Sie die Ansicht deutlich. Bleibt alles lesbar und benutzbar?

  • Formular-Test
    Lassen sich Fehler leicht erkennen und korrigieren?

  • Screenreader-Kurztest
    Schon ein einfacher Test mit einem Screenreader zeigt oft, ob Überschriften, Links und Formulare sinnvoll angesagt werden.

Dieses Video zeigt den Ablauf in kompakter Form:

Schritt 2 priorisieren

Nicht alles ist gleich dringend. Viele Betriebe verzetteln sich, weil sie zuerst Nebenschauplätze angreifen.

Besser ist diese Reihenfolge:

  • Zuerst Kernpfade
    Startseite, Leistungsseiten, Kontakt, Anfrageformular, Terminbuchung, Checkout.

  • Dann häufige Stolpersteine
    Kontrast, fehlende Beschriftungen, unklare Linktexte, Fokus-Probleme.

  • Danach Sonderfälle
    PDFs, eingebettete Tools, ältere Inhaltsarchive, komplexe Widgets.

Wichtig: Quick Wins sind sinnvoll. Aber sie ersetzen keine saubere Gesamtlogik.

Schritt 3 umsetzen

Hier trennt sich Handarbeit von Stückwerk. Manche Dinge kann ein Betrieb selbst im CMS korrigieren. Andere verlangen Eingriffe in Templates, Komponenten oder Formulare.

Typische Aufgaben für die Eigenumsetzung:

  • Alt-Texte nachtragen
  • Überschriften sauber gliedern
  • Linktexte verständlicher schreiben
  • PDFs kritisch prüfen oder durch HTML-Inhalte ersetzen

Typische Aufgaben für Entwickler:innen oder Agenturen:

  • Tastaturbedienung in Menüs und Overlays
  • Fokusführung
  • semantische HTML-Struktur
  • Formularlogik und Fehlermeldungen
  • Anpassungen an Themes und Templates

Schritt 4 pflegen

Barrierefreie Websites bleiben nicht automatisch barrierefrei. Jede neue Landingpage, jedes PDF, jedes Plugin und jedes Redesign kann neue Hürden einbauen.

Ein schlanker Wartungsprozess hilft mehr als ein einmaliger Kraftakt:

Rhythmus Worum es geht
Bei jedem neuen Inhalt Überschriften, Alt-Texte, Linktexte, Lesbarkeit
Bei Design-Änderungen Kontrast, Fokus, mobile Bedienbarkeit
Bei Funktionsausbau Formulare, Buchung, Logins, eingebettete Tools

Wenn intern mehrere Personen Inhalte pflegen, lohnt sich ein kurzer Redaktionsleitfaden. Sonst verbessert die Technik zwar die Basis, aber der Alltag baut neue Probleme wieder ein.

Typische Fehler Kosten und wann sich eine Agentur auszahlt

Die meisten Probleme entstehen nicht aus bösem Willen, sondern aus Abkürzungen. Man will schnell live gehen, ein Theme gefällt optisch, ein Plugin verspricht einfache Lösung, und am Ende wird die Seite für manche Menschen schwer oder gar nicht nutzbar.

Eine Hand berührt einen Laptop-Bildschirm, auf dem eine Barrierefreiheits-Überlagerung und Fehlermeldungen in einer künstlerischen Aquarell-Grafik angezeigt werden.

Was in Projekten regelmäßig schiefläuft

Ein paar Fehler sehe ich besonders oft:

  • Overlay statt echter Lösung
    Ein Accessibility-Overlay kann einzelne Darstellungen anpassen. Es repariert aber keine schlechte Semantik, keine kaputten Formulare und keine verwirrende Seitenlogik.

  • PDFs als Inhaltsersatz
    Wenn wichtige Informationen nur im PDF liegen, wird der Zugang unnötig schwer. HTML ist meist die bessere erste Wahl.

  • Fokus wegdesignt
    Designer:innen entfernen sichtbare Fokusrahmen oft aus ästhetischen Gründen. Für Tastaturnutzer:innen ist das ein direkter Orientierungsverlust.

  • Platzhalter statt Labels
    Ein grauer Beispieltext im Eingabefeld ist keine saubere Beschriftung.

  • Komplexität in alten Themes
    Vor allem bei gewachsenen WordPress-Seiten sammeln sich Widgets, Builder und Plugins an, die gemeinsam schwer kontrollierbar werden.

Wann externe Hilfe wirtschaftlich sinnvoll ist

Nicht jede Korrektur braucht sofort ein großes Projekt. Wenn es aber um mehrere Ebenen gleichzeitig geht, wird externe Unterstützung schnell sinnvoll.

Ein klarer Fall für Profis ist meist dann gegeben, wenn:

Situation Warum externe Hilfe sinnvoll ist
Relaunch geplant Barrierefreiheit lässt sich in Struktur und Design sauber mitdenken
Viele Formulare oder Buchungsprozesse Kleine Fehler blockieren reale Anfragen
Altes CMS oder komplexes Theme Einzelkorrekturen werden sonst teuer und fehleranfällig
Interne Zeit fehlt Das Team braucht eine klare Priorisierung statt Dauerbaustellen

Kosten lassen sich ohne konkrete Analyse nicht seriös pauschalieren. Manchmal reichen gezielte Korrekturen an Kontrast, Formularen und Navigation. Manchmal ist ein struktureller Umbau wirtschaftlicher als endloses Nachbessern. Wer Unterstützung für Analyse, Konzeption und Umsetzung sucht, findet auf der Leistungsübersicht für Web, IT und Betreuung einen sinnvollen Einstieg in das Thema.

Der praktische Maßstab ist einfach: Wenn Sie intern weder die technische Ursache noch die Priorität sauber einschätzen können, verlieren Sie meist mehr Zeit mit Improvisation als mit einer klaren externen Begleitung.

FAQ zu barrierefreien Websites

Muss ich meine Website komplett neu machen lassen

Oft nicht. Bei vielen KMU-Seiten reichen gezielte Eingriffe, wenn Grundstruktur, Navigation und Templates noch sauber arbeiten. Typische Kandidaten dafür sind fehlende Formularbeschriftungen, schwache Kontraste, unklare Linktexte oder eine Tastaturbedienung, die an einzelnen Stellen hängen bleibt.

Ein kompletter Relaunch wird meist erst dann wirtschaftlich, wenn das System ohnehin an mehreren Ecken Probleme macht. Etwa bei alten Themes, stark verbauten Page-Buildern oder Buchungsstrecken, die technisch kaum mehr sauber zu korrigieren sind.

Reicht ein Plugin oder Overlay

Nein, jedenfalls nicht als alleinige Lösung. Overlays können einzelne Ansichten anpassen, etwa Schriftgrößen oder Kontraste. Sie beheben aber keine Fehler in HTML-Struktur, Fokusführung, Formularlogik oder Alternativtexten.

In der Praxis sehe ich oft denselben Irrtum. Das Tool ist installiert, aber der Warenkorb bleibt mit Tastatur schwer bedienbar oder Fehlermeldungen im Formular sind weiter unklar. Das hilft weder rechtlich noch im Alltag Ihrer Kundschaft.

Wie kann ich selbst einen schnellen Test machen

Ein kurzer Bürotest zeigt meist schon, ob Ihre Website an den wichtigsten Stellen hakt:

  • Mit der Tab-Taste durch die Seite gehen
    Sie sollten Menüs, Links, Buttons und Formulare in logischer Reihenfolge erreichen. Der sichtbare Fokus muss klar erkennbar sein.

  • Text und Ansicht deutlich vergrößern
    Inhalte müssen lesbar bleiben. Nichts sollte abgeschnitten, überlagert oder nur noch mit horizontalem Scrollen bedienbar sein.

  • Ein Formular absichtlich falsch ausfüllen
    Gute Formulare nennen den Fehler direkt beim Feld und erklären verständlich, was zu korrigieren ist.

Wenn Sie dabei schon stolpern, stolpern echte Nutzer meist erst recht.

Was ist der Unterschied zwischen Barrierefreiheit und Usability

Usability fragt, ob etwas angenehm und effizient nutzbar ist. Barrierefreiheit prüft, ob Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen die Website überhaupt zuverlässig bedienen können.

Beides gehört zusammen. Eine gut lesbare Navigation hilft nicht nur Menschen mit Sehschwäche, sondern auch älteren Nutzern, mobilen Besuchern und allen, die schnell ans Ziel wollen. Genau dort wird das Thema für kleine Betriebe interessant. Sie verbessern nicht nur die Konformität, sondern oft auch Anfragen, Buchungen und die allgemeine Verständlichkeit der Seite.

Gilt das Thema in Österreich nicht ohnehin schon lange

Für öffentliche Stellen schon. Für Unternehmen ist die Lage differenzierter, und genau deshalb sorgt das Thema rund um 2025 bei vielen für Unsicherheit. Welche Pflichten konkret greifen, hängt in Österreich stark davon ab, welche Leistungen angeboten werden, wie digital der Verkaufsprozess aufgebaut ist und ob eine Ausnahme, etwa für Kleinstunternehmen, überhaupt greift. Das wurde im Gesetzesteil oben bereits eingeordnet.

Für KMU ist deshalb weniger die Grundsatzfrage spannend, sondern die praktische: Bin ich betroffen, und wenn ja, wo beginne ich sinnvoll? Die beste Antwort ist fast nie ein hektischer Komplettumbau, sondern eine ehrliche Prüfung der wichtigsten Kundenwege. Startseite, Kontaktformular, Terminbuchung, Produktseite, Checkout.

Barrierefreie Websites sind damit kein Spezialthema für Behörden oder Konzerne. Sie sind ein Qualitätsmerkmal für Unternehmen, die online ernst genommen werden wollen, gerade in Österreich mit einer älter werdenden Zielgruppe und vielen kleinen Betrieben, die von klaren, gut bedienbaren Seiten direkt profitieren.

Wenn Sie Ihre Website auf Barrieren prüfen oder einen barrierearmen Relaunch sauber planen möchten, unterstützt IRQ Internet Service e.U. mit persönlicher Beratung in Wien, technischer Umsetzung und verständlichen Prozessen ohne unnötigen Fachjargon. Gerade für KMU, Vereine und ältere Zielgruppen ist das hilfreich, wenn aus einer vagen Pflicht ein praktikables Projekt werden soll.

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